Schärfe in Rot

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Übertreibung und Exstase – Farben am Gebälk des Königspalastes in Seoul

Die häufigste Farbe von koreanischem Essen ist die Farbe Rot. Sei es das Kimchi, oder eingelegtes Fleisch, oder eine Gemüsepfanne, eine Suppe oder ein Dip für Beilagen. Rot, weil Peperoni und Chili enthalten sind. Getrocknete Peperoni zu Pulver gemahlen oder als Paste weiterverarbeitet. Sie machen das Essen scharf bis sehr scharf, je nach dem welche Peperoni- oder Chilisorte verwendet wird.

Wer die Schärfe kritisiert, sie zerstöre die Aromen, der kennt sie nicht. Der schmeckt nur äußerlich, hat sich noch nie so richtig auf sie eingelassen.
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Koreanische Küche lebt von der Schärfe, sie wird genüßlich eingesogen – mit lautem zischenden Geräusch. Man isst mit Leidenschaft, mit allen Sinnen. Schlürfen ist zwar nicht ganz anständig, ist aber ein Zeichen, dass es schmeckt. Schlürfen, Zischen und andere anteilnehmende Geräusche sind auch kaum zu vermeiden, wenn es so richtig scharf wird und brennt, und sie signalisieren, dass man diese schmerzhafte und schweißtreibende Prozedur liebt. Nicht alle, aber viele genießen die Schärfe bis zur Schmerzgrenze – und darüber hinaus. Nachher muss man halt die Sinne und Geschmacksnerven wieder einsammeln und sortieren.
Dann aber bist Du wie neugeboren, in den heißen Sommermonaten ist Schärfe geradezu erfrischend, weckt Deine Lebensgeister, und mit der gewonnenen Klarheit überstehst Du Hitze und Schwüle des Sommer weitaus besser. Im Winter wiederum wärmt eine große Schale heißer Suppe wunderbar wohlig von innen und entspannt Deinen Körper wie sonst nur in der Sauna.
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