andere Gewohnheiten

Korea ist unglaublich technikbegeistert, moderner als Deutschland. In den Neunzigern verließen koreanische Studenten Deutschland entäuscht wieder, weil das Internet noch nicht ausreichend funktionierte. Funklöcher beim Handyempfang?: du erntest nur Kopfschütteln.
Korea ist zugleich überraschend naturverbunden. Wandern ist eine der häufigsten Beschäftigungen am Wochenende. Ausgestattet mit Funktionskleidung, Wanderschuhen und Rucksack geht es in Scharen in die Berge – quasselnd oder singend mit musikalischer Untermalung aus dem Smartphone. Oben am Gipfel angekommen, mit phantastischem Ausblick auf die Megapolis, wird via Chatroom das Essen bestellt und auf den Berg gebracht. Ist in ausgesuchten Regionen und um Seoul herum die Naturerfahrung ein Gruppenerlebnis, so gibt es andere Berge und Täler, die unter strengem Naturschutz stehen, gesperrt oder für max. 30 Personen pro Tag geöffnet.

dsc00726aKoreaner sind neugierig auf europäische Küche, kennen keine Ängste oder Vorbehalte, essen mittlerweilen Brot, Brötchen und Sahnetorte; an fast jeder Straßenecke gibt es vorzüglichen Kaffee. Aber: Man weiß die traditionelle Küche zu schätzen. Und ist – zu Recht – stolz darauf.

Traditionelle Küche heißt: morgens, mittags, abends Reis mit Suppe und Beilagen. Das süße Frühstück mit Kaffee und Tee passt da nicht rein.

In der Küche wurde bereits alles zerteilt; Messer sind am Tisch überflüssig. Traditionell kommen alle Gerichte zugleich auf den Tisch, die Mahlzeiten sind keine Mehrgänge-Menüs. Wird in Korea das Essen aufwendiger, erhöht sich die Anzahl der Speisen, die gleichzeitig auf den Tisch kommen. Entsprechend voll und chaotisch kann es auf einem gedeckten Tisch unter Umständen zugehen.

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Traditionelle Mahlzeit für 2 Personen

Die Suppe ißt man nicht vorneweg sondern parallel. Erst am Ende der Mahlzeit ist auch die Suppenschale leer. Übehaupt, alles wird in bunter Reihenfolge häppchenweise gegessen. Man wählt, was man gerne essen möchte. Sehr demokratisch ohne vorgeschriebene Menügänge. Aus diesen selbst gewählten sich ständig ändernden Kombinationen entsteht im Laufe der Zeit ein feinfühliger Geschmacksinn und ein reiches Erlebnis an Unterschiedlichkeiten. Dabei sind die Beilagen immer für alle am Tisch Sitzenden gedacht, jeder bedient sich mit seinen Stäbchen und achtet darauf, nicht mit den Anderen zu kollidieren. So wie in der koreanischen Sprache imgrunde kein „ich“ verwendet wird, so steht vor mir am Tisch nicht „mein“ Gericht. Alles wird geteilt.

Die süßen Sünden der Nachtischkultur sind überhaupt nicht üblich. Vielen Koreanern sind die europäischen süßen Zwischenmahlzeiten nicht selbstverständlich. Man kann darauf gerne verzichten. Schaut man in den häuslichen Kühlschrank, findet man nur selten süße Cremes, Joghurts, Kuchen oder Marmeladengläser. Nach dem Essen gibt es meistens Obst und Tee, abends dann eher Wein, Schnaps und Wiskey.

Im NaNum haben wir nur eine kleine Küche und diese Vielzahl kleiner Beilagen können wir nicht anbieten. Wir haben den Anspruch alles frisch zuzubereiten, deshalb gibt es immer nur einige wechselnde Gerichte. Trotzdem kann man auch bei uns verschiedene Gerichte bestellen, in die Mitte stellen und gemeinsam teilen.

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