Holzfisch | MokTak

Eines Tages beschloss ein buddhistischer Bauer, nach Indien zu wandern, um sich im Buddhismus zu üben und buddhistische Schriften zu sammeln. Auf dem Weg dahin kam er an einen breiten Fluss, fand aber kein Boot zum Überqueren. Auch eine Brücke gabe es in der Gegend nirgendwo. Da schwamm ein großer Fisch an die Oberfläche und bot an, ihn auf seinem Rücken ans andere Ufer zu bringen. Unterwegs erzählte der Fisch, dass er in seinem früheren Leben ein schlechter Mensch war und es nun wieder gutmachen wolle. Deshalb bat er den Wanderer, in Indien Buddha zu fragen, ob es für den Fisch möglich wäre, ein Bodhisattva zu werden.

Der Wanderer versprach ihm dass und kam bald in Indien an, wo er insgesamt siebzehn Jahre blieb. Während dieser Zeit erhielt er nach und nach die buddhistischen Texte und kehrte anschließend mit ihnen in die Heimat zurück. Wieder erreichte er den breiten Fluss und sogleich kam derselbe große Fisch und bot ihm seinen Rücken an. Als der Fisch beim Überqueren jedoch erfuhr, dass der Wanderer sein Versprechen vergessen und Buddha nicht gefragt hatte, wurde er sehr wütend und schüttelte den wortbrüchigen Wanderer mit all seinen Schriften in den Fluss. Und nur, weil zufällig ein Fischer in der Nähe war, wurde er gerettet. Die Sutras verschwanden aber auf immer in den Fluten des Flusses.

Voller Zorn und Ärger ging der Wanderer nach Hause, da er nun keine einzige Sutra mitbrachte und deshalb umsonst die lange Reise unternommen hatte. Er schnitzte aus einem Stück Holz frustriert einen Fisch und in bitterer Erinnerung schlug er mit einem Holzhammer auf den Kopf des Fisches ein. Der hölzerne Fisch aber öffnete bei jedem Schlag das Maul und sprach zur Verwunderung des Wanderers je einen Buchstaben der verlorenen Sutras. Von nun an schlug der verduzte Mann – so oft er Zeit fand – mit seinem Schlegel auf den hölzernen Fischkopf; nach etlichen geduldigen Jahren hatte er Buchstabe für Buchstabe die verloren geglaubten Schriften horchend wieder zusammen gesetzt.

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